Gemeindehaus Gebenstorf
Gemeindehaus Gebenstorf

Kolumne Gemeindeammann

Gedanken zur neuen Legislaturperiode 

Fabian Keller
Fabian Keller

Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.
Bertolt Brecht

In wenigen Wochen beginnt im Kanton Aargau eine neue Amtszeit der Gemeindebehörden. Viele weibliche und männliche Gemeindeämmer sind von der Stimmbevölkerung in ihren Gemeinden mit meist guten bis sehr guten Resultaten neu oder wieder in ihr Amt gewählt worden. Sind gute Wahlresultate ein Garant dafür, dass von den Damen und Herren Gemeindeammännern auch eine gute Arbeit geleistet wird? 

Im Jahr 2017, bei meiner ersten Wahl war ich stolz als Quereinsteiger gleich mit dem besten Resultat in den Gemeinderat und souverän als Gemeindeammann gewählt worden zu sein. Nach der ersten überstandenen Legislatur ist mir klar, dass gute Wahlresultate nicht überbewertet werden dürfen. Vor allem sind sie keine Garantie dafür, dass man dann auch ein guter Gemeindeammann wird oder ist. Ein erfahrener Gemeindeammann hat mir einmal gesagt, dass ein Gemeindeammann, der bei den Gesamterneuerungswahlen am meisten Stimmen erhält, wahrscheinlich seinen Job zu wenig gut gemacht hat. Wir Gemeindeammänner müssen alle Entscheide des Gemeinderates unterschreiben. Jeder von unseren Entscheiden hinterlässt einen Sieger und einen Verlierer. Also können gar nicht alle mit uns zufrieden sein.

Im Leben muss man dauernd zwischen Aufrichtigkeit und Höflichkeit wählen.
Sophia Loren

Ob man seine Sache als Vorsitzender der Gemeindeexekutive gut macht, ist vielmehr eine Frage der eigenen Voraussetzungen und der eigenen Einstellung. Wichtig ist die Aus- und Weiterbildung sowie die Erfahrung, die man mitbringt. Und ob man bereit ist, genügend Engagement und Zeit für dieses Amt aufzubringen und auch um ausreichend «Knochenarbeit» zu leisten.

Selbstverständlich darf man sich über gute Wahlresultate freuen. Wichtig ist aber, dass man sie in der Folge auch verdient. Dazu gehört zuallererst, dass man massgeblich dazu beiträgt, dass das von den Wählerinnen und Wählern bunt zusammengewürfelte Gemeinderats-Gremium zu einem echten Team zusammenwächst. Ein Team, in dem sich jede und jeder wohlfühlen kann. Und dies trotz fachlicher und politischer Differenzen, die es für eine erfolgreiche Entwicklung der Gemeinde unbedingt braucht. Das ist uns in der letzten Zeit in Gebenstorf nicht immer gelungen. Ich werde alles daran setzen, meinen Teil zu einem guten Team beizusteuern.


Entscheidend ist auch, ob man den Drahlt zur Stimmbevölkerung findet, welche einem mit einem so guten Wahlergebnis im Amt bestätigt hat. Ein guter Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der eigenen Gemeinde ist eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Wirken als Ammann. Das heisst aber nicht etwa, dass man keine eigenen Visionen und Strategien für die Entwicklung der Gemeinde haben darf. Nur muss man diese transparent machen, ausführlich kommunizieren und – wenn nötig – auf Grund der Rückmeldungen gegebenenfalls anpassen.


Ich wünsche mir, dass ich nach meinem Rücktritt sagen kann: «Gemeindeammann war der interessanteste und erfüllendste Job, den ich je gemacht habe:»

 
Ich grüsse Sie herzlich



Fabian Keller
Gemeindeammann

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